Angel's Desire

Basierend auf den Büchern der Autorin Nalini Singh (Gilde der Jäger- und Gestaltenwandler-Reihe) haben wir vor sechs Jahren mit dem Schreiben eines fiktiven Rollenspiels mit unterschiedlichsten Personen begonnen. Hier wird dieses nun fortgesetzt.
 
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 Die Vorgeschichte von Floris

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Midnight Raven

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BeitragThema: Die Vorgeschichte von Floris   27.09.15 22:50

Tag X

Zufrieden ließ Floris seinen Blick über Amiternum gleiten. In seinem Rücken spürte er den kalten Stein einer der Wachtürme, auf sein Gesicht schien die warme Morgensonne. Ihm lag die komplette Stadt zu Füßen: Die steinernen Bauten, die die marmorne Altstadt einkreisten. Während in dem neuen Teil der Stadt reger Straßenverkehr herrschte, konnte man im Zentrum nur vereinzelt Reiter oder Fahrradfahrer entdecken, das Fahren von Gefährten mit Motoren war im historischen Kern untersagt. Drei Wochen noch konnte er diesen Ausblick genießen, dann würde er in eine andere Stadt gehen, weit entfernt von der Heimat, und in Florenz  Renaissance studieren. In vier Jahren würde er zurückkommen, mit dem Abschluss in seiner Tasche, und sich von seinem Vater verwandeln lassen. Zumindest wäre das der Ablauf, würde es nach seinem Vater gehen.
Er hasste dieses durchgeplante Leben, hasste diesen Einfluss seines himmlischen Vaters. Andererseits würde es ihm ein ewiges und sehr abgesichertes Leben ermöglichen, und nach hundert Jahren konnte er tun und lassen, was er wollte. Er wollte nicht das Erbe seines Vaters antreten und eine Provinz in Vincentius Herrschaftsgebiet verwalten. Aber das könnte er seinen Eltern auch später noch einmal verdeutlichen, auch wenn seine Mutter es schon wusste. Ebenso war er sich ziemlich sicher, dass er noch nicht mit Bestimmtheit wusste, ob er sich in vier Jahren schon von seinem sterblichen Leben  verabschieden wollte, vielleicht hatte er bis dahin ganz andere Pläne.
Mit seinen neunzehn Jahren war er sich schon ziemlich sicher, was er definitiv nicht mit seinem Leben anfangen wollte. Sehr zum Ärgernis seines Vaters, der ganz andere Pläne für seinen einzigen Erben hatte. Seinem altrömischen Herrn passte es natürlich nicht, dass Floris sich mehr für die Epoche der Renaissance als für das antike Rom interessierte. Aber es war sein Leben.
Floris stieß sich von dem kalten Gemäuer ab und trat an die Kante des kleinen Vorsprunges. Er hatte einen Kurierauftrag wie so oft,  wenn er Dokumente zum nächsten Wachposten, in die Kaserne, oder direkt zu seinem Vater bringen sollte. Ein Laufbursche, aber es war für ihn ok, immerhin konnte er so ohne irgendeine Kontrolle durch die Stadt laufen, machte sich nützlich, verdiente etwas Geld und seinen Vater machte es auch glücklich. Damit war seine Mutter auch glücklich, weil es mal kein Streitthema gab. Weniger glücklich machte es sie, wie Floris die Wege zurücklegte.
Laufen oder Fahrradfahren war ihm zu langweilig und vor allem zu langsam, er bevorzugte die Dächer, kletterte und sprang durch die Stadt. Durch die himmlischen Gene war dies ihm möglich, war er doch stärker und schneller als Sterbliche, und sogar etwas mehr als Gestaltenwandler. Früher hatte sein Vater ihn zu wunderschönen Aussichtspunkten geflogen, ihn dem Himmel ein Stück näher gebracht. Doch je älter Floris wurde, desto unabhängiger wollte er sein, die Punkte auch allein erreichen. Dann begann er zu klettern. Sein Vater amüsierte es und er war stolz auf ihn, seine Mutter beunruhigte es. Er könnte ja schließlich abstürzen und sich verletzen. Hatte er sich auch öfters, aber nie wirklich ernsthaft.
Floris steckte den Umschlag in die Innentasche seiner Jacke und schloss diese. Dann machte er sich an den Abstieg. Er war an diesem Turm schon gefühlte hundertmal geklettert, immer denselben Weg. Über Fenster und Außenfassade zur Stadtmauer und dann dort eine kleine Treppe hinunter. Denn an der unteren Hälfte des Turmes oder der Mauer konnte man nicht klettern, das hätte es Feinden ja auch zu leicht gemacht. So war ihm der Abstieg ein leichtes, meistens jedenfalls. Doch heute ließ er sich zu sehr von seinen Gedanken fesseln, geriet ins Träumen und achtete nicht genau darauf, welchen Schritt er als nächstes tat.
Unglücklicherweise war gerade heute der Stein, auf dem er immer seinen Fuß setzte, wenn er auf die Mauer stieg, etwas nass und somit noch rutschiger als sonst. Er stellte seinen Fuß darauf und griff automatisch zum nächsten Halt, als er abrutschte. Ihm blieb keine Zeit für einen Aufschrei oder einen sonstigen Laut, zu verdutzt war er. Dann fiel er. Mit letztem Lebensinstinkt versuchte er, die Stange zu greifen, an der das Wappen seines Vaters hing. Der Plan ging nicht ganz auf, er landete mit dem Bauch darauf und rutschte durch die Wucht auch gleich wieder hinunter. Er sah den Boden nicht kommen, sein Blick war zum Himmel gerichtet. So sah er mehrere Engel, die versuchten ihn noch zu erreichen. Mit letzter Hoffnung streckte er seinen Arm nach ihnen aus, vielleicht würden sie ihn rechtzeitig erreichen.
Dann prallte er auf den Boden.
Und alles wurde schwarz.
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